Die Absolventen der hiesigen University of Fine Art haben in der vergangenen Woche ihre Ausbildung beendet und ihre Abschlussarbeiten präsentiert. Ich habe einige Tage damit zugebracht, mir alle Arbeiten anzusehen, mit den angehenden syrischen Neo Rauchs zu plaudern und Tee zu trinken, in einer von Ölfarbe geschwängerten Luft, begleitet vom permanenten Hämmern der Bildhauer aus dem Erdgeschoss.
Niemand leidet mehr, schont sich kaum, niemand ist enthusiastischer, wilder und voller Elan und niemand spürt die gesellschaftliche Enge mehr als junge Künstler.
Die gesellschaftliche Enge prägt auch die Fakultät of Fine Arts. Experimentelles Herangehen an den künstlerischen Schaffensprozess wird müde belächelt, geschweige denn unterrichtet und gern als ein Zeichen jugendlichen Übermuts hingestellt. Das kollektive Verweigern des Lehrkörpers gegenüber zeitgenössischen Künstlern, ist angesichts der Vormachtstellung des westlichen Kunstmarktes und deren wirtschaftliche Prosperität geradezu lächerlich. Entspringt doch die Ablehnung nicht einem bewussten Entsagen, sondern ist vielmehr Ausdruck eines kompletten Ignorierens. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass dem mehr Missgunst als wirkliches Interesse zu Grunde liegt. In Syrien hört ab der Moderne Kunst auf Kunst zu sein.
Da ein großer Teil der Studenten ins Ausland möchte und der einfachste Weg nach wie vor ist, sich nach einem erfolgreichen Studium, sich für ein Nachfolgestudium im Ausland zu bewerben, sind gute Examsnoten dringend notwendig…
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