Ein Scherbenhaufen namens Real Estate Business

7 Aug

Nahe dem Tor Bab Sharki erstreckt sich das Viertel Ghuta, mitten in Damaskus. In diesem Viertel sind viele kleine Fabriken und Handwerksbetriebe zu Hause und sie sind bedroht.
Bedroht von einem Umgestaltungsplan des Damaszener Stadtverwaltung, die nach 50 Jahre dauernden Stillstand, nun mit Eifer und Gestaltungswille, eine neue Ära in punkto Stadtentwicklung einläuten wollen. Das Gebiet von Ghuta, einst vor den Toren der Stadt gelegen, ernährte die Stadt für Jahrhunderte. Bis die Stadt wuchs und Ghuta umzingelte. Den Farmen wichen kleinen Handwerksbetrieben, die sich hier ansiedelten. Unter anderem findet man hier, die letzten Glasbläser: Die Abu Ahmad Glass Factory. Hier wird rund um die Uhr gearbeitet. Es ist so warm, dass der Schweiß in Strömen am Körper rinnt, selbst dann, wenn man eine bequeme Sitzposition auf den extra für Besucher bereitgestellten Bänken, eingenommen hat.
Die Ankündigung zur Räumung, datiert auf den 11. April, erfolgte schriftlich und hängt an der Wand. Eine finanzielle Entschädigung oder ein Alternativstandort kommt im Schreiben nicht vor. Der 11. April ist zwar längst vorbei aber aufgeschoben ist eben nicht aufgehoben. Die Glasfabrik hat sich nun mit anderen umliegenden Werkstätten zusammengetan und einen Anwalt engagiert, der die Räumung verhindern soll.

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Seit 2005 haben die Preise für Grundstücke und Wohneigentum stark angezogen, verstärkt durch die wirtschaftlichen Reformen, die die Menschen vom Land in die Städte lockte, und den Zustrom der irakischen Flüchtlinge. Durch diese Wohnraumverknappung ist es im Zentrum von Damaskus fast aussichtslos eine einigermaßen preiswerte Unterkunft zu finden. Auch die Finanzkrise hat dieser Preisspirale kein Ende gesetzt. Laut Recherchen von Syria Today, die diesem Thema eine ganze Ausgabe widmeten, rangiert in punkto Gewerbemietpreise Damaskus an achter Stelle, hinter New York, Zürich und Singapore und führt damit die Top Ten Liste, der Städte mit der höchsten Gewerbemiete weltweit, an.
Wohnraum in den unteren Preislagen ist knapp und so haust 40% der Bevölkerung in illegalen Unterkünften, unter schlechten hygienischen Bedingungen und mit einem mangelhaften Stromnetz. Auch mit den Weltkulturerbe Old City wird spekuliert. Viele der alten arabischen Häuser sind noch in Familienbesitz. Als die wohlhabenden Familien dann aus der Altstadt nach Malki, Mezzeh oder in andere Vororte zogen, vermieteten sie, oft mit Hilfe eines zwischengeschalteten Verwalters, ihr Eigentum.
Mittlerweile ist ein Großteil der Bausubstanz renovierungsbedürftig und obwohl eine Sanierung finanziell kein Problem wäre, spielt man auf Zeit. In der Altstadt zahlt man für die letzte Bruchbude von Haus ein Vermögen und da eine Sanierung, aufgrund der geringen Lohn – und Materialkosten, nur Bruchteil des eigentlichen Kaufpreises kostet, lässt man alles gemütlich angehen. Die Preise könnten ja noch steigen! Derweil leben die Bewohner in heruntergekommenen und völlig überteuerten Häusern und müssen nun auch mit einer ganz anderen Spezies konkurrieren: Ausländern! Denn die wollen natürlich gerne in der Altstadt leben. So hat sich im Laufe der letzten Jahre eine kleine Mafia-Clique entwickelt, die Häuser als Verwalter übernehmen, langsam die Preisspirale anziehen, so dass die ursprünglichen Bewohner gezwungen werden auszuziehen. Dann wird alles ein bisschen aufgefrischt und für monatlich 15 000 – 25 000 SYP pro Zimmer, das sind ca. 250 – 450 EURO vermietet. Da das hiesige Durchschnittseinkommen bei gerade 15 000 SYP im Monat liegt, für Syrer fast unmöglich bei dieser Entwicklung schrittzuhalten.

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