Beirut war für  mich immer ein Mythos. Aber die Landkarte, die das Phänomen Beirut erschließt, muss erst noch geschrieben werden. Was Moskau für Europa, das ist Beirut für den Nahen Osten, nur ohne Menschen. Im Gegensatz zu Moskau und vor allem Damaskus, wirkt Beirut menschenleer. Promenieren an der Corniche ist charmant, Café au lait chez Paul ist oh la la und Barhopping in Gemmayzeh ist très chic. Wenn man allerdings das meiste Geld schon in Kleider investiert hat- selber Schuld werden jetzt viele denken aber ich bitte um Verständnis, nach der syrischen „wie viel Haut ist erlaubt?“- Regel, musste ich beim Anblick des Mittelmeeres meine Bluse und meine Jeans, in ein fesches Neckholder-Kleid eintauschen. Nun besitzt man also ein Neckholder-Kleid und braucht dringend was zu essen. Das ist gar nicht so einfach, wenn man nicht bei Mc Donalds dinieren oder 15 EUR für Bresaola ausgeben will, muss man sich auf die Suche machen. Und dann findet man: Nichts. Einfach nichts. Nicht mal ein Shop! Aus lauter Verzweiflung marschierten wir Richtung West Beirut, im Gegensatz zum christlichen Downtown, der muslimische Teil der Stadt. Hier fühlte Ich auch gleich wieder wie in Damaskus. Während des 15 Jahre andauernden Bürgerkrieges, teilte die sogenannte green line die Stadt in zwei Teile, in das christliche und das muslimische Beirut. Eine Segregation bis zum heutigen Tag: Das trendige und extrem teure Downtown und das traditionelle, muslimische Westbeirut. Wir also, immer noch auf der Suche nach etwas Essbarem in Westbeirut, stürmten gleich den nächstbesten Shawarma-Laden, der uns über den Weg lief. Nach anfänglichen Verständligungsproblemen, im Gegensatz zu den Läden Downtown, sprach der Besitzer weder Englisch, noch konnte er in seiner Redefluss nonchalant vom Englischen ins Französische wechseln. Er holte ganz einfach seinen Nachbarn, und so bekamen wir dann was wir wollten und genossen unser hart verdienten Sandwich und die einmalige Aussicht auf Nasrallah (siehe Foto). Statt mit Neckholder-Kleid bei Mc Donalds zu sitzen, preferiere ich doch Fatusch und Tabule im Jabri-House in Damaskus,- auch wenn’s ein bisschen old fashion ist, genau wie Jeans und Bluse.

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